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Ich bin ein Star, holt mich
hier raus
Justus Frantz und die Philharmonie der Nationen
in der Stuttgarter Liederhalle
Rezension für die Stuttgarter
Nachrichten vom 23.1.2009
"Freude trinken alle Wesen, an den Brüsten der Natur", heißt es
vollmundig im Finale der Neunten Beethovens. An diesem Mittwochabend im halbvollen
Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle, in dem sich Justus Frantz und
seine Philharmonie der Nationen für ein verspätetes Neujahrskonzert die
Ehre gaben, war die "Natur" tatsächlich anwesend: In Gestalt eines Vögeleins, welches sich in die Liederhalle verirrt hatte. Es konnte den
behäbigen Trillern und etwas neutönerischen Umgestaltungen, die Frantz
am Klavier der Beethovenschen Choralfantasie angedeihen ließ, durchaus
einiges abgewinnen: Es flog über den Köpfen des Publikums und der
Musizierenden fröhlich seine Bahnen und frönte zuweilen halsbrecherischen
Loopings, als wolle es der Kunst Paroli bieten. Justus Frantz, welcher
Beethovens chorale Vorstudie zur Neunten zur Entdeckung der Langsamkeit
nutzte, stahl es gelegentlich die Show.
Das allerdings änderte sich in Beethovens Neunter, in der das
Orchester, das junge Musiker und Musikerinnen aus 40 Nationen vereint,
sein gediegenes Klangpotential durch ein recht transparentes
Zusammenspiel voll zur Entfaltung brachte. Zwar fehlte es dem Kopfsatz
an vorausschauendem Spannungsaufbau, was dem auskomponierten
Schreckensszenario zu zahme Züge verpasste, aber dem dämonisch vorwärts
jagenden, quecksilbrigen Scherzo und seinen rhythmisch-metrischen
Finessen wurden die jungen Instrumentalisten durch ein gut getimtes
Miteinander und mitreißende Spielfreude mehr als gerecht. Dagegen lockte
das weihevoll-schmerzliche Adagio, das nicht wirklich ins Fließen kommen
wollte, wieder unseren Piepmatz aus der Reserve, der jetzt durch gewagte
Landemanöver und gefährliche Tiefflüge auf sich aufmerksam machte.
Das Finale aber geriet unter Frantz' Dirigat zu einem wahrhaft
formsprengenden, martialischen Freudenfest. Solistisch überzeugte vor
allem die weittragende, sonore Baritonstimme Tyler Duncans. Der
koreanische Busan Metropolitan City Chorus dagegen intonierte vor allem
laut und schrill. Die Freude des Publikums über das orgiastisch
geschmetterte "Alle Menschen werden Brüder!" konnte der kleine
Flattermann indes nicht teilen. Er ward nicht mehr gesehen.
© Verena Großkreutz
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